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Stille Seen sind Tief - Das Schweigen der Ämter
Do, 25.06.2009 - 20:51 – Sarah Költzow
Während manche Menschen 20 Jahre Mauerfall im Jahr 2009 mit Dominoaktionen und eigens designten Lederklamotten vorbereiten (immerhin keine Backsteine!), nimmt Wolfgang Tiefensee sein Ministeramt wörtlich und sorgt für Verkehr im Netz und Tratsch in der Presse: erst wurde die ursprünglich mal interne Studie groß und breit den Medien vor- und dann zum Download ins Internet gestellt, bis dann - "alles verkehr-t" - die Runterlader den Link nicht mehr fanden: die Studie "Demografischer Wandel - Ein Politikvorschlag unter besonderer Berücksichtigung der Neuen Länder" war auf Wunsch des Ministers wieder verschwunden. Damit keiner mehr lesen kann, dass das Ministerium im Wahljahr eigentlich gar nicht so effektive und zielführende Maßnahmen umsetzt, wie man bislang immer so dachte ;). Von Zensur in Deutschland ist nun die Rede. Eigentlich empörend sind aber meines Erachtens nicht die Peinlichkeiten und Pannen in der politischen Kommunikation, die wir inzwischen ja schon gewohnt sein müssten, und mit dem ständigen Hin & Zurück von Hinz & Kunz haben wir uns auch schon arrangiert, nein, peinlicher ist diese Vogel-Strauß-Reaktion auf etwas, das eigentlich eine mindestens ebenso große Party wie 20 Jahre Mauerfall verdient hätte: es gibt freie, kritische Forschung in Deutschland!(?) Und wenn die eben rausfindet, dass die Initiativen des Ministeriums (=Geld in altbewährte Projekte und vermutlich an altbewährte Projektpartner pumpen) nichts taugen, dann sollte sie auch, zum Tiefensee nochmal, ernst genommen werden. Zumal die Autoren ja ganz konkrete Tipps geben: Eigeniniative in den betroffenen Regionen stärken. Andere Regionen nicht mehr wie bislang weiter fördern weil ergebnislos. Das ist doch mal ne klare Ansage. Hier hat jemand seine Arbeit gemacht und geforscht, nicht nach dem Mund geredet. Hier hätte sich das Ministerium wahrlich fortschrittlich und kritikfähig zeigen können und vormachen, wie man sich selbst reformiert, wie der Entzug von Pfadabhängigkeiten und das Institutionalisieren vom Innovieren funktioniert. Tiefensee hätte dazu, wie von den Autoren der Studie angemahnt, richtig viele neue, innovative Ideen fördern können anstatt Unmengen Geld dafür zu verpulvern, altgebrachte Strukturen aufrechtzuerhalten. Denn was für Ostdeutschland gilt, gilt im Jahr der gefallenen Mauer und der gefürchteten Wahl für gesamtdeutsche Ministerien erst recht... Es ist zweifellos das von den Autoren der Studie eindeutig identifizierte Anspruchsdenken von Bürgern aber, wenn ich hinzufügen darf, auch von Verwaltern und Ministern, das es anzupacken gilt und umzumünzen in Richtung aktive und wandelbereite Problemerkennung, Eigeninitative und das Finden gemeinsamer Lösungen. Herr Tiefensee, wir beraten Sie da gern! Unzulänglichkeiten eingestehen können ist der erste Schritt, um sie zu beseitigen oder zu verbessern. Und dafür wählen wir doch unsere Politiker! Irgendwie beruhigend, dass wir uns allen demographischen Nachwuchsproblematiken zum Trotz zumindest in einer Berufsgruppe keine Sorgen machen müssen... (@ Jacob Schrot: du hast die Haare schön!) Besonders motivierte Ministerialanwärter können hier übrigens auch nochmal die hoch-runter-hochgeladene Studie mit einem alles ins rechte Licht rückenden Vorwort des Ministeriums lesen... Trackback URL for this post:http://www.wandelgestalter.de/trackback/95
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