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Permanent Beta
Mi, 12.08.2009 - 22:02 – Jonas Kwaschik
Angenommen, in der Zukunft ist die Gesellschaft fragmentierter, die Interessen und Vorlieben der Menschen individueller. Angenommen, die Menschen werden mobiler, ziehen häufiger um, wechseln häufiger ihren Arbeitsplatz und kommunizieren grenzüberschreitend mit Freunden, Arbeitskollegen, Bekannten und das sogar täglich und weltweit. Der Internetphilosoph und Autor Peter Glaser sagte einmal im Rahmen eines Symposiums zur Stadt der Zukunft (NEXT CITY): Wir bewegen uns vom Zeitalter der Massenmedien in ein Zeitalter der Medienmassen! Morgen wird weniger rezipiert sondern vor allem selbst produziert! Die Leute werden mehr schreiben als lesen… Angesichts einer zunehmend komplexen und unübersichtlichen Welt, wird niemand mehr ernsthaft in Frage stellen, dass wir uns langfristig von der Möglichkeit linearer Planungen verabschieden müssen. Internationale Interdependenzen und globale Unvorhersehbarkeiten durchkreuzen allzu oft unsere nationalen oder regionalen Vorhaben. Lineare Planungen gehören unweigerlich der Vergangenheit an - nicht nur, weil es schwierig ist, mit der Geschwindigkeit des Informationszeitalters Schritt zu halten und die Pläne von gestern bereits morgen wieder anpassen zu müssen. Sondern auch, weil uns schlicht der Überblick fehlt. Nichts ist mehr so wirklich überschau- und planbar. Vielmehr ist ständig alles in Bewegung und in Veränderung. Alles wirkt irgendwie „unfertig“. In der Softwareentwicklung gibt es einen Begriff für „unfertig“ – ein Programm, das noch nicht distributionsfähig ist, befindet sich im sog. Beta-Status. Eine Betasoftware wird zum Testen zwar schon veröffentlicht, prinzipiell können sich aber bis zur finalen Fertigstellung noch einige Dinge verändern, vor allem sollen aber gerade durch diese Testphase wichtige Fehler gefunden und ausgebessert werden. Was hat das nun mit Verwaltung zu tun? Eine Gesellschaft, die derart komplex und in Bewegung ist, kann durch generalstabsmäßige Planungsstrukturen schwer bewältigen werden. Komplexität bewältigt man am besten durch a) Komplexität oder b) Durchwurschteln! All das ist nicht einfach die zwingende Folge einer fortschreitenden Entwicklung oder die Kapitulation vor einer scheinbar mit normalen Managementmethoden nicht reduzierbaren Komplexität. Sondern PERMANTENT BETA ist möglicherweise eine Grundvoraussetzung dafür, dass eine Verwaltung innovativ sein kann. Die Logik dahinter ist recht einfach: Wenn Verwaltung ein öffentliches Gut ist, dann ist das Offenhalten des Entwicklungsprozesses (kein Vorsetzen fertiger „Versionen“) das maximale Moment an Partizipation für eine Öffentlichkeit. Wobei dies nicht bedeuten muss, in den Inkrementalismus einer Politik der kleinen Schritte zurück zu fallen, sondern viel eher, ähnlich wie bei den vielen „BETA“-Startup-Plattformen im Internet, Menschen zu ermutigen, aktiv an der Gestaltung und Fortentwicklung mitzuwirken. Leitbilder und grobe Linien können also dennoch von der Verwaltung entwickelt werden, nur sollte man sie eher als laufende Projekte denn als einmalige Kraftanstrengungen sehen. Sinnvollerweise braucht es für derlei Partizipationsprozesse bzw. Wandlungsprozesse und damit vor allem die Kommunikation zwischen Verwaltung, Bürgern, Wirtschaft und Politik eine Infrastruktur, die dies ermöglicht. Diese Infrastruktur findet sich in unserem Konzept in Form eines spezifischen Rollenprofils wieder: Wir nennen es den Wandelgestalter. Er bekleidet die Rolle, die für Kommunikation unter den Beteiligten, für Ergebnisoffenheit im Prozess, aber auch für die ständige Überprüfung von möglicherweise notwendigen Wandlungsprozessen steht. Der Wandelgestalter versetzt die Verwaltung, sollte sie träge oder verfestigt werden, immer wieder und absichtlich in den Betastatus. Natürlich arbeiten bereits Verwaltungen an Reformen und Wandlungsprozessen oder üben sich im Change Management. Ein tolles Beispiel findet sich im Change²-Projekt von Mannheim. Wer sich gerne noch mehr in eine zukünftige Gesellschaft rein denken möchte, findet hier einen Denkanstoß, ein Pflichtenheft für die Stadt der nächsten Gesellschaft. Entwickelt wurde es von Dirk Baecker als Abschluss des in diesem Artikel angerissenen Symposiums „Next City“. Trackback URL for this post:http://www.wandelgestalter.de/trackback/106
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