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Nie wieder Behördengänge?
Mi, 01.07.2009 - 23:07 – Jonas Kwaschik
Auch in Aachen formiert sich der Weg der Verwaltung in das digitale Zeitalter. Auf n-tv ist in der Artikelreihe „Zukunft der Stadt“ zu lesen: Tief im Westen, in Aachen, entsteht eine der modernsten Verwaltungen Deutschlands. Wenn es soweit ist, wird Geographie für die Bürger aber ohnehin keine Rolle mehr spielen: Vom Laptop aus ist jedes Amt nur einen Klick entfernt. Ein neues prozessorientiertes Verwaltungsportal macht es möglich. Internet und eGovernment ist sicher zu Recht das aktuelle und zentrale Thema der Verwaltungsmoderinisierung. Die digitalen Möglichkeiten für die öffentliche Verwaltung voll zu nutzen ist meiner Meinung nach eine selbstverständliche und nötige Entwicklungsstufe. Aber so ein bisschen schleicht sich der Gedanke ein, dass trotz aller Euphorie über das Anpacken der Verwaltung zur Modernisierung der Amtswege und Behördengänge doch Etwas vernachlässigt wird. Vernetztes Denken - nicht nur von Ämtern und für Behördengänge! Natürlich leben wir in der Zukunft (oder bereits heute) nicht mehr geografisch gebunden in regionalen Territorien, sondern arbeiten, kommunizieren und wirken in und über das Internet über weite räumliche Distanzen. Natürlich ist es nur wünschenswert, dass man statt anonymer Amtsbesuche als Wartenummer seinen formalen Papierkram online erledigen kann, aber: was kommt dann? Was ist wenn sich ebensolche punktuellen aber ritualisierten Kontakte mit „der“ Kommune erledigt haben und man vielmehr bei einem der vielen Umzüge im alltäglichen Gebaren des Nomadentums der Wissensgesellschaft nur die Umgebung zu seiner Wohnungseinrichtung gewechselt hat? Das Prozessdenken der Aachener Kommune ist pionier- und vorbildhaft, aber es sollte weiter gehen. Denn neben dem „Tabu brechenden“ Überschreiten der „Ämtersilos“ durch digitale Fallbearbeitung muss auch ein prozesshaftes Denken für die Verankerung und Vernetzung von Bürgern, ihren Interessen und Bedürfnissen einer Stadt erfolgen. Warum setzt man das vernetzte Denken von Ämtern und Behördengängen nicht auch für die in der Bürgerschaft schlummernden Potenziale an Wissen, Kreativität und Zeit um? Moderne Verwaltungen - ist übermorgen schon heute? Das eigentlich moderne, und auch die „modernste Verwaltung“ Deutschlands sollte nicht einfach nur den Behördengang digitalisieren, sondern die neuen Prinzipien des Internets in der Verwaltung verankern - sei es für Beteiligungsmöglichkeiten, offene Innovations- und Denkprozesse oder ehrenamtliches Engagement für die „community“. Das Internet ist demnach ein tolles Werkzeug, ein Medium aber vielmehr auch ein gesellschaftliche Spielwiese, in der sich neue gesellschaftliche Phänomene heraus bilden, die vielfach auch in anderen Bereichen fruchtbar gemacht werden können. Ich glaube, dass neben den typischen Pflichtaufgaben einer öffentlichen Verwaltung (Behördengänge), der Verbindung zu meiner Stadtverwaltung durch den Stempelaufdruck auf meinem Personalausweis eine Kommune der Zukunft sich auf ganz anderem methodischen und inhaltlichen Terrain bewegen MUSS, will sie die Potentiale ihrer Bewohner für sich nutzbar machen und als Standort Anziehungskraft entwickeln. Wir reden hier über Themen wie Beziehungspflege, Wandlungsfähigkeit oder Potentialaktivierung! Trackback URL for this post:http://www.wandelgestalter.de/trackback/99
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uebermorgem = zwingend digital?
kurze frage: versteht ihr unter einer verwaltung von uebermorgen ernsthaft NUR ein digitales Portal? Das waere naemlich nicht so doll. Eine Verwaltung von uebermorgen muss sich (wie die von heute, gestern und morgen) an die Beduerfnisse der Buerger anpassen. Und diese Beduerfnisse sind nicht mit "Ich will das alles online machen" auf den Punkt zu bringen, sondern sind viel diversifizierter. Manch einer wird sich nie mit dem Rechner anfreunden, manch einer will einem Menschen gegenuebersitzen und manch einer will tatsaechlich alles am Bildschirm erledigen.
Kurz: Ein Internetportal sollte immer nur ein Instrument unter vielen sein. Verwaltungsmodernisierung sollte nicht aus der Perspektive des technisch Machbaren angepackt werden, sondern sich an den unterschiedlichsten Beduerfnissen der Buerger orientieren. Eine Vielfalt der Instrumente ist sinnvoller, als ich auf den Computer als Heilsbringer zu verlassen.
uebermorgen ist mehr als nur digital
Hallo Hans, Du triffst den Nagel auf den Kopf. Eben das ist unsere Kritik, dass "digital" als alleiniger Heilsbringer angesehen wird. Und genau damit spielt auch der Begriff übermorgen, denn wir gehen davon aus, dass die derzeitige digitale "Revolution" gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringt, die eine viel größere aber auch interessante Herausforderung und Chance für die Öffentliche Verwaltung darstellt. Wir finden dass gegenüber der Entwicklungsstufe "eGovernment" ein weiterer Paradigmenwechsel für eine "persönlichere und dezentralere Verwaltung" vollzogen werden sollte. Allerdings finden wir vieles an den heutigen Formen der Kommunikation und des Zusammenarbeitens im Internet inspirierend um es "offline" anzuwenden - ein bißchen mehr Netzwerktheorie und "Community Building" würde unserer Meinung nach der Kommune sehr gut tun!